„Das Steuerungsvolumen wird sich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln“

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Matthew Whittall, Geschäftsführer Claim Bees GmbH

Die Schadensteuerung in Europa entwickelt sich rasant.  Wir sprachen mit Matthew Whittall, Geschäftsführer Claim Bees GmbH, über aktuelle Trends und mögliche Folgen für Karosserie- und Lackierbetriebe.

Unterschiedliche Entwicklung in Europa

Lackextra: Können Sie uns einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Schadensteuerung in Europa geben? Wo ist sie am meisten ausgeprägt, wo am wenigsten?

Matthew Whittall: Der Einfluss der Versicherer darauf, wo Autos repariert werden, ist in den verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich groß. In Großbritannien und den Niederlanden ist es in der Regel der Versicherer, der die Werkstatt mit der Reparatur beauftragt. Die Assekuranzen arbeiten eng mit anerkannten Reparaturnetzwerken zusammen, die seit vielen Jahren etabliert sind. In diesen Ländern haben wir eine Schadensteuerungsquote von mehr als 90 Prozent. Am anderen Ende des Spektrums in Westeuropa steht Deutschland mit einer relativ geringen Steuerungsquote zwischen 15 und 20 Prozent. Andere westeuropäische Länder liegen irgendwo dazwischen. In den Ländern Osteuropas hingegen ist die Idee der Schadensteuerung neu, und die ersten Reparaturnetzwerke sind gerade erst im Aufbau begriffen.

Hoher Kostendruck führt zu Konflikten

Lackextra: Wie sind in den Ländern mit einem starken Schadenmanagement die Auswirkungen auf die Karosserie- und Lackierbetriebe?

Matthew Whittall: In Großbritannien und den Niederlanden müssen die Werkstätten schnell und effizient arbeiten, und sie müssen in der Lage sein, ein großes Aufkommen zu bewältigen. Der Druck auf die Preise ist hoch, und in beiden Ländern sind Konflikte und ein angespanntes Verhältnis zwischen Versicherern und der Reparaturbranche entstanden. Meiner Erfahrung nach wird mehr Mühe darauf verwendet, den Versicherer zufriedenzustellen als den Autofahrer. Angesichts des Kostendrucks versuchen Versicherer (und Schadenmanagementunternehmen) den Reparaturvorgang bis ins letzte Detail zu regeln. Nach aller Erfahrung verschlechtert das die Kundenzufriedenheit weiter.

Steuerungsvolumen wird stark steigen

Lackextra: Wohin steuern die Märkte? Wie viel Prozent aller Schäden werden zukünftig in den wichtigsten europäischen Märkten gesteuert werden?

Matthew Whittall: Abgesehen von Großbritannien und den Niederlanden erleben alle größeren Märkte derzeit einen Zuwachs bei den Steuerungsquoten. Letztendlich bezahlen die Versicherer die Rechnungen. Deshalb liegt es in der Natur der Sache, dass sie eine größere Kontrolle über den Vorgang gewinnen wollen, um ihre Kosten zu kontrollieren. Es ist schwierig, eine allgemeine Aussage für ganz Europa zu treffen, aber ich denke, dass sich das gesamte Steuerungsvolumen in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wird. Meiner Meinung nach – aber ich bin voreingenommen – ist Deutschland in den nächsten fünf Jahren der interessanteste zu beobachtende Markt. Die Steuerungsquoten sind derzeit niedrig, aber die potenziellen Einsparungen sind höher als in anderen Ländern, weil die Preise der Marken-Werkstätten in den letzten fünf Jahren explodiert sind. Der Markt ist zudem sehr groß, und die K&L-Branche stark fragmentiert. Nur ein einziger Versicherer, die HUK Coburg, investiert derzeit wirklich in seine Steuerungsquoten, aber andere Versicherer wachen nun langsam auf.

HUK Coburg setzt Maßstäbe

Lackextra: Nach der Schadensteuerung kommt die Servicesteuerung. Wie beurteilen sie den Versuch der HUK Coburg, in Deutschland ein eigenes Service-Netzwerk aufzubauen?

Matthew Whittall: Die HUK Coburg ist bisher sehr erfolgreich im Unfallreparatur-Management gewesen. Sie investiert, sie plant langfristig, und sie hat eine sehr klare Strategie. Ich denke, wenn es einen Versicherer gibt, mit dem dieses Konzept funktionieren kann, dann ist es die HUK Coburg. Ich vermute, dass sie künftig auch eine Art Rundum-Service-Versicherung verkaufen wird, der Schadenservice und Wartung umfasst, sodass sie möglicherweise ein erhebliches Volumen für ihr Servicenetzwerk generieren kann. Interessant ist die Frage, ob die Werkstätten des HUK-Netzwerks wirklich von einer Spezialisierung absehen und Generalisten werden wollen. Ich habe den Eindruck, dass einige von ihnen den Übergang gerne und gekonnt in Angriff nehmen, und andere dies nur tun werden, weil sie befürchten, das Unfallvolumen der HUK zu verlieren. Die HUK-Werkstätten gehören sicherlich zu denen mit der besten Qualität bei Unfallreparaturen, aber der Wettbewerb im Service-Markt ist hart, und es gibt bereits andere etablierte Netzwerke. Es ist schwer einzuschätzen, aber ich gebe dem Konzept eine 50-prozentige Chance. Dennoch: Wie immer es auch weitergeht, ich bewundere die HUK Coburg dafür, dass sie die Initiative zu ergreift und versucht, den Unfall- und Servicemarkt umzugestalten. Ich bin gespannt, wie andere Versicherer reagieren werden.

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